Astronomische Navigation

Screenshot der neuen Astronavigation auf dem Smartphone - kein Rechnen, kein Zeichnen, kein Schätzort und kein Suchen in Tabellenbüchern. Eine wesentliche Erleichterung bei der klassischen Navigation mit dem Sextanten und als Backup alternativlos.

 

Links auf die Beiträge:

Die Sonne am Himmel
Standort ohne Standlinien

Die Tafelmethode des Cornelis Douwes
Mittagsbreite und Chronometerlänge
Das Zweihöhenproblem
Die wahre Methode des Carl Friedrich Gauß
Thomas H. Sumner, Begründer der Standliniennavigation
Die Methode des Marcq Saint Hilaire
Navigationsprogramm mit Excel selbst gemacht
Die App Circle of Position Navigation
Ein wenig Sextantenkunde
Test Plastiksextant Marc 25

Viele Bücher in der Segelliteratur haben ein extra Kapitel über Astronavigation. Auch zahlreiche Beiträge im Internet und sogar YouTube Filmchen befassen sich mit dem Thema des astronomischen Navigierens. Doch auf allen diesen Stellen landet man am Ende bei der Navigationsmethode von Marcq Saint Hilaire aus dem Jahre 1875. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Astronavigation und die Methode von Saint Hilaire ein- und dasselbe sind, dass die Hilaire Methode womöglich ein Synonym für Astronavigation ist. Das ist aber keineswegs so. Hilaire fand nur eine Methode, die perfekt in die Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 20 Jahrhundert passte. In dieser langen Periode hat sie sich international fest etabliert und die Navigation in der Seefahrt wie keine andere geprägt.

Seit Einführung der Satellitennavigation im Jahre 1996 wird der astronomischen Navigation die Funktion einer Rückfallmethode, zugeordnet. Traditionsgemäß musste das natürlich die Hilaire Methode sein. Die Verantwortlichen, die dafür standen, kannten schließlich nichts anderes. Doch inzwischen sollte jeder festgestellt haben, dass diese Methode längst nicht mehr in unsere Zeit passt und als Backup die Sicherheit in der Seefahrt keineswegs verbessern kann. Damit ist nicht gesagt, dass die Navigation mit Gestirnen jetzt obsolet ist, ihre Zugangsbarrieren müssen fallen. Die astronomische Navigation ist ein kulturelles Erbe, das erhalten werden sollte und ein Segler, der seinen Weg auch mit dem Sextanten findet, hat anderen etwas voraus. Es ist nicht nur ein wunderschönes Hobby, sondern gleichzeitig auch ein Sicherheitsvorteil.

Mit der Überschrift Astronomische Navigation möchte ich ihre Historie betonen und keine Anleitung zum Navigieren geben. Für mich war diese Reise durch die Geschichte und der Besuch bei ihren Akteuren äußerst spannend. Niemand wird jedoch ernsthaft mit den Methoden von Borda bis Hilaire navigieren wollen. Ich wollte sie jedoch intensiver kennenlernen und habe deshalb für viele Methoden ein Programm auf Excel Basis geschaffen und auf meinen Fahrten auch ausprobiert. Letztendlich ist auf dieser Grundlage eine App entstanden, die zwar auf den Lehren der klassischen Astronavigation beruht, in ihrer Anwendung jedoch in der modernen Zeit angesiedelt ist und von jedem ohne jegliche Kenntnisse in der astronomischen Navigation benutzbar ist.