Ausstattung

Über dem Deck ♦ Bullenstander ♦ Maschinenantrieb ♦ Ankergeschirr ♦ Querruder

Dingi ♦ Wohnen auf der Zephir ♦ Gangway

Prinzipiell existieren zwei ziemlich gegensätzliche Auffassungen darüber, wie eine Segelyacht ausgestattet sein sollte und jede dieser Auffassungen hat ihre eigenen Argumente. Die einen sagen, dass auf ein Schiff nur das gehört, was unbedingt für den Fahrbetrieb nötig ist. Was nicht notwendig ist kann kaputtgehen und gehört deshalb nicht auf einen Fahrtensegler. Die anderen sagen, dass ein Fahrtenschiff mit allem ausgerüstet sein muss, was ein möglichst angenehmes Wohnen für die ganze Besatzung an Bord ermöglicht.

Die Entwicklung im Bootsbau ist in den vergangenen Jahren ein großes Stück weitergegangen. Bug- und Heckstrahlruder, Rollsegel, elektrische Winschen und überall elektronische Steuerungen. Das gab es vor 25 Jahren noch nicht oder war gerade am Anfang, entwickelt zu werden. Außerdem werden die Boote immer größer, so dass man auf manche Dinge gar nicht mehr verzichten kann. Wie soll man z. B. ein 50+ Fuß Boot in den immer enger und voller werdenden Marinas ohne Querruder noch sicher manövrieren, oder wie soll man moderne Laminatsegel mit kleiner Mannschaft an einem 20 m Mast ohne Unterstützung durch elektrische Winschen heißen können? Ein Segelboot mit durchgehend elektromechanischen Steuerungen wird von den Serienwerften sowieso nicht mehr gebaut. Stattdessen gibt es kontaktlose Schalter und Elektronik-Chips auf Leiterplatten, die auch für normale Elektriker nur noch Black Boxen sind. In der Tat macht sich da ein Gefühl wachsender Hilflosigkeit breit. Klemmt die Rollmastmechanik, fällt bei Seitenwind ein Bugstrahlruder aus oder stürzt irgendein Programm der vielen Mikroprozessoren ab, dann könnte je nach Umstand schon leichte Panik aufkommen, denn derartige Fehlerarten sind neu.

Wie sollten die Dinge also beschaffen sein, die man auf dem eigenen Boot zulassen sollte. Die Antwort früher, heute oder in der Zukunft ist immer dieselbe. Man muss sich in jedem Fall zu helfen wissen. Dabei ist es ganz egal ob man die Technik in allen Einzelheiten kennt oder ob alles nur noch Black Boxen sind. Das gilt generell. Früher konnte man an einem Auto noch überall rumschrauben und man war Herr über die Technik. Heute ist es umgekehrt und man ist der Technik ausgeliefert. Beim Auto könnte man noch einen Abschleppdienst rufen. Auf See ist das nicht möglich. Es gibt hier nur den (schwachen) Trost, dass die moderne Technik viel zuverlässiger geworden ist, Ausfälle also sehr viel seltener sind.

Wenn jemand sein Boot nur spartanisch ausstatten will, weil er sich dadurch weniger Ausfälle erhofft, dann ist das formal richtig. Doch darauf kommt es gar nicht an, es muss vielmehr zwischen sicherheitsrelevanter Ausstattung und Komfortausstattung unterschieden werden. So gesehen verfügen das spartanisch ausgestattete Schiff und das Komfortschiff über die gleiche sicherheitsrelevante Ausstattung und damit über die gleiche Zuverlässigkeit im Fahrbetrieb. Auf dem Schiff mit mehr Komfortausstattung kann viel mehr kaputtgehen, das ist richtig. Doch dieses Mehr bezieht sich dann auf Ausfälle im Komfortbereich. Hier muss der Eigner nicht unbedingt auf Sicherheit, dafür aber auf die Kosten achten, die nicht nur bei der Anschaffung, sondern auch in der Unterhaltung so einiges abverlangen können.

Eine zahlenmäßige Reduzierung der Ausstattung führt also keineswegs zur Verbesserung der Zuverlässigkeit, wohl aber zur Minderung des Komforts. Den größten Einfluss auf die Zuverlässigkeit hat allerdings die Qualität der Ausstattung. Ein Schiff ist umso zuverlässiger desto erprobter und qualitativ hochwertiger seine Ausstattung ist. Leider ist die Entwicklung im Bootsbau zu rasant. Unter Wettbewerbsdruck wird jedes Modell schon nach kurzer Zeit durch ein Nachfolgemodell abgelöst. Das gilt ebenso für die Zulieferer mit dem Ergebnis, dass eine angemessene Erprobung von Schiff und Ausrüstung gar nicht stattfinden kann. Dem staunenden Bootskäufer werden so die neuesten Techniken präsentiert und er muss sich dann im Extremfall mit halbfertigen Lösungen rumschlagen.

Verschleiß des Materials und Lebensdauer eines jeden Ausstattungsteils hängen allerdings auch stark vom Können und der Erfahrung einer Crew ab, damit sachgemäß umzugehen.

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