Bullenstander

Leinenführung

Ein Bullenstander gehört eigentlich zur Standardausrüstung jeder Fahrtenyacht und so ist es kaum verständlich, dass diese Sicherheitsvorrichtung von den Werften meist gar nicht angeboten wird. Der Skipper muss sich allein darum kümmern. Ein Bullenstander sollte auf allen Kursen gefahren werden, ob vor dem Wind oder am Wind. Der Großbaum der Hanse 575 kann zwar niemanden im Cockpit erreichen, auf dem Deck sieht das schon anders aus. Außerdem sind Baum und Großsegel so mächtig, dass niemand auf dem Schiff eine Patenthalse erleben möchte. Siehe auch hier.

Gegner des Bullenstanders begründen ihre Meinung mit einer mangelnden Manövrierbarkeit der Yacht, aber das ist Unsinn. Abgesehen davon könnte eine Yacht nach einer ausgewachsenen Patenthalse komplett manövrierunfähig werden.

Auf unserer Hanse wurde der Großbaum nachträglich mit einem Bullenstander ausgestattet. Zu diesem Zweck wurde ein zusätzlicher Baumbeschlag zwischen Rodkick und Mainsheet eingefügt. Von einem Langschäkel in diesem Beschlag führt jeweils eine Leine nach backbord und nach Steuerbord ins Cockpit an die Spiwinschen. Die Leinen werden über jeweils zwei Blöcke geführt.

Bullenstanders am Großbaum
Am Großbaum angeschlagener Bullenstander
Bullenstander Leinenführung
Leinenführung
Bullenstander auf der Winsch
Winsch als Baumbremse

Der Bullenstander ersetzt auch den Baumniederholer, der das Steigen des Baumes verhindert, indem die Leine auf der entsprechenden Winsch durchgeholt wird. Die Hauptwinschen können mit den Schoten belegt bleiben. Auch im Hafen kann der Baum in beliebiger Stellung fixiert werden.

Halsen

Der größte Vorteil ist, dass Halsen zum Kinderspiel werden. Am Autopiloten wird der neue Kurs vorgewählt und mit o. k. bestätigt. Während das Schiff mit dem Heck langsam durch den Wind geht bleibt genügend Zeit den Bullenstander auf der bisherigen Leeseite aus der Klemmnut der Winsch zu nehmen und mit dem Baumübergang zu fieren. Die Selbstwendefock geht dabei von selbst über. Anschließend muss nur noch die Winsch auf der gegenüberliegenden Seite mit dem Bullenstander belegt werden. So einfach war das Halsen noch nie.

Der hier vorgestellte Bullenstander ist gleichzeitig eine perfekte Baumbremse. Die Reibungswirkung einer am Baum aufzuhängenden Vorrichtung wird durch die Reibung an einer Winschtrommel ersetzt. Vor allem lassen sich beide Seiten komplett lösen. Zustände wie nass, trocken, salzverkrustet starker oder schwacher Wind können beim Baumübergang mit drei bis vier Windungen auf der Winsch sehr viel einfacher beherrscht werden. Eine Walder Baumbremse wurde aus diesem Grunde wieder entfernt.

Baumbremse

Im Yachthandel angebotene Baumbremsen arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip. Eine Leine ist standardmäßig z. B. an Backbord mittschiffs an der Fußreling festgemacht und läuft dann über die am Baum hängende Bremse und einen Block auf der Steuerbordseite ins Cockpit auf eine Winsch oder Talje. Halsen funktionieren dabei nur, wenn der Wind stark genug ist. Bei zu schwachem Wind bleibt das Großsegel gern mal back stehen, insbesondere dann, wenn der Baum von der Seite  zurückkommen soll auf der die Leine an der Fußreling angeschlagen ist. Man muss dann nach vorn um nachzuhelfen. Fährt man in einer Baggerrinne mit leichtem Raumwind von Steuerbord und muss dann einer um 90° nach Backbord abzweigenden Baggerrinne folgen, kann man nur beten, dass die Maschine sofort anspringt bevor man vom Wind an den Rand der abbiegenden Fahrrinne gedrückt wird. Das Segel wird von der Baumbremse festgehalten und will einfach nicht auf die Steuerbordseite wechseln.

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