Die Bordtoiletten

Es ist nicht unbedingt ein attraktives Thema aber ein Kapitel, mit dem jeder Fahrtensegler schon zu tun hatte und wenn nicht, mit Sicherheit damit noch konfrontiert werden wird. Auch auf der Zephir gab es schon genügend einschlägige Ereignisse, so dass ich mir jetzt einbilde genügend qualifiziert zu sein, an dieser Stelle fachkundig darüber Auskunft geben zu können.

Auf der Zephir existieren zwei Toietten, eine elektrische und und eine ursprünglich manuelle, beide von der Firma Jabsco. Die manuelle Toilette war insgesamt schon viermal verstopft. Einmal, weil mein kleiner Enkel eine Kunststoffkappe hineingeworfen hatte, einmal durch einen zugewachsenen Borddurchlass und zweimal durch Papierstau. Das Ganze innerhalb von drei Jahren.

elektrische Toilette Lite Flush von Jabsco
manuelle Pumptoilette, umgerüstet auf elektrischen Zerhackerbetrieb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die elektrische Toilette versagte bisher insgesamt dreimal ihren Dienst. Einmal durch einen geplatzten Kunststoffritzel auf dem Zerhackermotor und nach Austausch der ganzen Toilette gegen ein neues Modell mit Aluminiumritzel zweimal durch Bruch des Zahnriemens. Auch das innerhalb von drei Jahren. Die neuen Toiletten werden mit Aluminiumritzel ausgeliefert. Beim Neukauf sollte man darauf achten, kein altes Modell zu erwischen.

Gemäß Bedienungsanleitung darf in eine Yachttoilette nur das hinein, was vorher gegessen wurde, mit Ausnahme von Toilettenpapier. Zweimal Papierstau im Fäkalienbehälter muss dann wohl dem Behälterhersteller angelastet werden. Ein Yachti berichtete mir mal, dass auf seiner Yacht das Papier in einen extra Behälter kommt und dass denjenigen, der Papier ins Klo wirft drakonische Strafen erwarten. Das steht auch angeschlagen und gut lesbar an der Wand neben der Schüssel. Die Strafe für Ersttäter wurde mit 200 Euro festgelegt.  

Ein verstopftes oder kaputtgegangenes Klo auf einer Segelyacht wieder freizukriegen ist keine angenehme Sache. Handelt es sich nur um einen Papierstau, dann kann versucht werden, von außen einen Schlauch oder ein Kabel in den Borddurchlass bis in den Fäkalientank hineinzuschieben. Dazu muss man allerdings ins Dingi. Wenn einem dann mit großer Macht die Brühe aus dem Behälter entgegenströmt, dann fühlt man sofort ein Gemisch von Ekel und Erleichterung.

 

Verstopfungsursache Plastikkappe

Schlimmer ist es, wenn ein fester Gegenstand vor dem Kugelhahn sitzt. Da hilft nur eines. Zuerst den Behälter völlig leerpumpen. Dazu müsste man eine Marina aufsuchen, in der das möglich ist, oder man hat eine entsprechnde elektrische Pumpe an Bord. Danach muss der Schlauch zwischen Behälter und Kugelhahn abgebaut werden. Den Kugelhahn vorher bitte schließen, denn er sitzt unter der Wasserlinie. Man verfährt dabei so, dass zuerst der Schlauch am Behälter abgenommen wird. Dann muss man versuchen, den Schlauchinhalt herauszubekommen, was sich als sehr schwierig herausstellen könnte, denn es handelt sich um einen Inhalt mit einer etwas dickflüssigeren Konsistenz. Gelingt das nicht und man löst den in der Regel 38 mm kalibrigen voll gefüllten Schlauch am Kugelhahn, dann entschwindet sein Inhalt recht schnell irgendwo im Bauch des Schiffes. Das sollte also auf jeden Fall verhindert werden. Saugpumpen für verschiedene Inhalte und Kaliber sind deshalb unverzichtbare Werkzeuge auf einer Yacht.

Komischerweise war die elektrische Toilette noch nie verstopft. Sie besitzt einen Zerhacker, der auch das Papier zerkleinert. Ein Zerhacker ist also die Lösung. Auf einem meiner früheren Boote hatte ich auch eine manuelle Pumptoilette und eine Zerhackerpumpe zum Entleeren des Fäkalientanks. Da gab es nie Probleme mit Verstopfungen. Nur das Geruchsproblem war kaum zu beherrschen. Eine Zerhackerpumpe muss also her, entweder zum Entleeren des Tanks oder gleich an der Schüssel, damit erst gar keine ganzen Papierblätter in den Tank gelangen können.

Ich entschied mich für die zweite Variante und kaufte eine "Electric Toilet Conversion" der Firma Jabsco. Die manuelle Pumpe soll einfach gegen dieses Teil auszutauschen sein. Komplett mit Elektroanschluss hat es dann aber zwei Stunden gebraucht, die Platzverhältnisse auf einem Schiff fordern halt ihren Tribut. Dieses Teil ist zwar schrecklich laut, aber Verstopfungstendenzen gab bisher noch keine.

Auch wenn im Hafen nur das kleine Geschäft in der Bordtoilette erledigt wird, können sich Geruchsprobleme einstellen, wenn nämlich das Gummi-Rückschlagventil nicht ganz dicht hält. Dann läuft das Wasser aus dem Schlauch zurück ins Becken. Dieses Wasser ist nicht ganz sauber, denn man darf ja maximal nur 5 Sekunden lang spülen, mehr sollte man dem Motor nicht zumuten. Hier hilft nur ein regelmäßiger Austausch des Gummiventils oder dessen regelmäßige Reinigung in Essiglösung nach dessen Ausbau (vorher mehrmals spülen). Alternativ kann eine regelmäßige Anwendung von "YACHTICON SCHLAUCH FREI" helfen, auch das Ventil funktionsfähig zu halten. Es hilft aber nur bei regelmäßiger Anwendung.

Der Zahnriemen hat nicht durchgehalten
Plastikritzel auf dem Zerhackermotor zerbrochen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die elektrische Toilette benötigte bisher eigentlich nur den Ersatzteilkit "Motorritzel und Zahnriemen Satz" für etwa 40 Euro. Das erste Mal musste die Toilette zertrümmert werden. Die ursprünglichen VA-Kreuzschlitzschrauben waren in einlaminierte Aluminiumplatten geschraubt und konnten nicht mehr gelöst werden. Schuld daran könnte man der Bordfrau zuweisen, wenn sie zur Toilettenreinigung Putzwasser verwendet. Dieses läuft an die Gewinde und sorgt dort für eine ausgewachsene Korrosion. Etwas DURALAC an jeder Schraube hätte das verhindert. Leider kann man das den Werften nicht beibringen. Ein neues Klo schafft schließlich auch Arbeitsplätze.

Die herausstehenden Schrauben muss man abflexen und neue Gewindebohrungen anbringen. Jetzt aber bitte nicht vergessen, DURALAC zu verwenden und Inbusschrauben zu benutzen, denn das erneute Auswechseln eines gebrochenen Zahnriemens kommt bald. Auch für diese Arbeit ist aufgrund der engen Platzverhältnisse ein Zeitrahmen von mindestens zwei Stunden einzuplanen, der sich erst mit entsprechender Routine verringern wird.

Nachtrag 2019

Nach zwei Jahren Dauerstress mit den Toiletten kam nun ein Jahr mit viel weniger Problemen. Bei beiden Toiletten reduzierten sich die Maßnahmen auf das wiederholt nötige Auswechseln der Rückschlagventile, wenn das Becken nach dem Abpumpen wieder volllief. Die in weiser Voraussicht gekauften zwei Reparatursets mit Zahnrädern und Zahnriemen blieben unangetastet.

 

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