Über dem Deck

 

Das Rig

Die Hanse 575 ist ein topgetakelter schneller Segler und das obwohl ihr Rigg nicht sehr viele Trimmmöglichkeiten bietet. Der Mast ragt von der Wasseroberfläche aus gesehen 25 m in die Höhe und besitzt drei Salingebenen. Die Salinge sind gepfeilt, wodurch das Achterstag entlastet wird. Mit einem hydraulischen Achterstagspanner kann der Mast nach hinten gebogen werden. Dadurch wird das Großsegel in der Mitte des Vorlieks nach vorn gezogen was ein flacher geformtes Segelprofil ergibt. Das erhöht die Fahrt bei gleichzeitig geringerer Krängung auf Am-Wind Kursen. 

Zur Besteigung des Mastes liegt in der Backskiste ein Mastlift der Fa. SWI-TEC, mit dessen Unterstützung man ohne weitere Hilfe bis in den Top gelangen kann. Es fallen ja doch immer irgendwelche Sachen an, wie z. B. Beleuchtung defekt, Antenne verbogen, Kamerawinkel stimmt nicht usw.

Laufendes Gut

Alle Fallen sind aus Dyneema. Auch für die Dirk fiel die Wahl auf 12 mm Dyneema, denn diese Leine wird auch als Aufstiegsleine entweder für einen Klettergurt oder zum Hochziehen des Mastlifts benutzt. Der Rodkick alleine ist stabil genug den Baum zu halten und so kann die Dirk im Bedarfsfall abgenommen werden. Damit das schnell vonstatten geht besitzt sie einen Patentschäkel. Damit ist sie schnell abgenommen und wieder angeschlagen. Zum Hochziehen des Mastlifts sollte der Patentschäkel aus Sicherheitsgründen nicht benutzt werden. Erst ein Palstek durch die Ringschraube am Mastlift bietet eine ausreichende Sicherheit. Metallschäkel können brechen oder aufgehen. Alle Fallen, Schoten und Strecker sind ins Cockpit geführt und können über vier elektrisch betriebene Winschen gefahren werden. Für zusätzliche Schoten und Achterholer, die für den Parasailor den Bullenstander oder zur Fixierung des Selbstwendeschlittens gebraucht werden befinden sich auf jeder Schiffsseite 4 Blöcke.

Segel

Ein Rollmast mit eingerolltem Segel sollte möglichst leicht sein. Die Wahl fiel deshalb auf Membransegel, weil sie das geringste Tuchgewicht aufweisen. Der Vorteil dieser Segel ist ihre hohe Performance. Ihre Nachteile sind der hohe Preis, die geringere Lebensdauer und der Umstand, dass Reparaturen nur noch von Spezialfirmen durchgeführt werden können. Zum Ausrollen des Großsegels muss der Baumniederholer entspannt und der Baum dadurch etwas angehoben werden. Ist das Segel draußen, dann wird der Baum wieder abgesenkt. Zum Einrollen des Großsegels bleibt der Baum gesenkt, so dass die senkrechten Segellatten parallel zum Mast einlaufen können. Zu allen Rollvorgängen muss das Achterstag so weit entspannt sein, dass der Mast senkrecht steht. Sowohl beim Einrollen als auch beim Ausrollen sollte der Baum bei loser Großschot etwas nach Backbord auswehen. Der Furler ist elektrisch angetrieben.

Fock

Das Schiff besitzt eine Selbstwende-Rollfock mit einem Furler unter Deck. Eine Genua würde sich nicht lohnen, weil die Püttings für die Wanten ganz außen angebracht sind. Das gibt dem Mast eine gute Standfestigkeit und behindert den Gang auf das Vorschiff nicht, verhindert aber, dass eine Genua gefahren werden kann. Auf eine Spiere zum Ausbaumen der Fock wurde verzichtet. Ein Grund dafür ist auch der, dass das Schiff meist nur mit kleiner Crew, also meiner Frau und mir selbst gefahren wird. Spieren stellen immer ein Risiko dar, wenn sie nur von einer Person gehandhabt werden müssen. Die Reffleine der Fock, die bei einem 12 m Schiff noch von Hand gezogen werden kann, muss bei der Hanse 575 über eine Winsch gefahren werden.

Die Selbstwendefock machte sich auf der Ostsee noch ganz gut. Dort gibt es keine so ausgeprägte Dünung wie auf dem Atlantik, dem Kanal oder der Nordsee. Ein Rollen des Schiffes in der Dünung kann aber schon bewirken, dass der Wind die Fock plötzlich von der anderen Seite greift und das Segel mit einem fürchterlichem Anschlagsknall übergeht. Der Selbstwendeschlitten besteht zur besseren Anpassung an die gebogene Selbstwendeschine aus zwei Schlittenteilen, die über einen Bügel miteinander verbunden sind.

 

Trümmer eines abgerissenen Selbstwendeschlittens

Bei einem ersten Selbstwendeschlitten wurde bei einem heftigen Übergang der Haltestift aus einem der beiden Schlittenteile herauskatapultiert. Zuvor hatte sich seine Sicherung in Form einer Plastikschraube verabschiedet. Eine steife Brise auf einem später gefahrenen Am-Wind Kurs führte dann zu einem Abriss des anderen Schlittenteils von der Selbstwendeschiene, dessen Haltestift noch mit dem Bügel verbunden war. Dieser schlug dann gleich mehrere Löcher in das Segel, siehe hier. Ein gelieferter fabrikneuer Ersatzschlitten hatte besser angeordnete Schraubensicherungen, die sich nicht mehr von selbst lösen können.

 

Zusätzliche Leinen zur Heckklampe verhindern ein plötzliches Übergehen

Das Problem des plötzlichen Übergangs der Fock war damit aber noch nicht gelöst und auf der Biskaya ist es dann passiert, dass sich der Bügel zwischen den zwei Schlittenteilen verbog. Schon bald klemmte der Schlitten auf der Schiene und wollte sich gar nicht mehr bewegen. Eine Reparatur konnte erst im nächsten Hafen erfolgen. Aus je einem Schlittenteil des ersten und des zweiten Fabrikats und einem gerichteten Bügel wurde ein neuer Schlitten gebastelt. Die Sicherungsschrauben des alten Teils wurden mit Sika verklebt. Zusätzlich angebrachte 6 mm Leinen, über je einen Block zu den Heckklampen geführt sollen ein plötzliches Übergehen verhindern. Diese Dimensionierung zeigte sich bisher als ausreichend genug. Mein Fazit dazu lautet, dass eine Selbstwendefock eine praktische Sache ist, auf der Ostsee ohne Frage. Da ist an der Selbstwendefock weder mit der vorhergehenden Zephir noch während eines Jahres mit dem neuen Schiff nichts kaputt gegangen. Mit einem entsprechenden Bullenstander können einhand prima Halsen und Wenden  gefahren werden. Bei großen Segelflächen ist vom Hersteller allerdings noch Entwicklungsarbeit zu leisten. Hier muss unbedingt eine Vorrichtung vorhanden sein, die einen schnellen Übergang der Selbstwendefock abbremst.

Vorsegel

Das Vorsegel der Zephir ist ein Parasailor mit 240 m2 Segelfläche. Mit diesem Segel erreicht das Schiff bei schwachem Wind von z. B. 8 Knoten platt von hinten beinahe Windgeschwindigkeit. Der Parasailor hat gegenüber einem Blister oder Genaker den Vorteil, dass er tatsächlich von 70° bis -70° Windeinfall gefahren werden kann und viel weniger böenempfindlich ist. Das Segel kann auch mit kleiner Crew gesetzt und eingeholt werden. Es wird mit vier Leinen gefahren, zwei Schoten und zwei Achterholern. Anders als bei Benutzung eines Gennakers oder Blisters bleibt das Großsegel dabei eingerollt. Zum Einholen des Parasailors müssen sämtliche ins Cockpit geführte Leinen ausrauschen können, es dürfen also keine Stopperknoten vorhanden sein. Wenn doch, dann braucht man unter Umständen ein scharfes Messer zum Kappen der Leinen.

 

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