Anlegen mit Mooringleinen

In Mittelmeer Marinas ist das Anlegen mit Mooringleinen üblich. Doch nicht jeder ist damit vertraut, besonders dann, wenn man das Anlegen in den Häfen Nordeuropas an Dalben oder Mooringtonnen gewohnt ist.
Im August und September 2021 lag die Zephir mehrere Wochen auf einem Liegeplatz in Alicante, und wartete auf neue Segel, die diesmal aus dem unverwüstlichen Gewebetuch Hydranet Radial angefertigt werden sollten. Der benachbarte Liegeplatz auf der Backbordseite war frei und wurde laufend an Gäste vermietet, die immer nur kurze Zeit blieben. Es war also ein Kommen und Gehen und wir hatten sozusagen den Logenplatz, von dem aus die verschiedensten Anlegemanöver beobachtet werden konnten. So ganz unbeteiligt waren wir aber dann aber doch nicht mehr, nachdem unser Schiff eine Schramme verpasst bekam.
Dass die Crews der verschiedenen Schiffe so viele unterschiedliche Varianten an Anlegemanövern präsentierten überraschte aber doch schon. Schiffe mit kleiner Crew, also meist nur mit einem Paar als Gesamtbesatzung mit vielen Seemeilen im Kielwasser machten das am geschmeidigsten. Viel Lärm machten hingegen einige Charterschiffe mit vielen Leuten an Bord, die alle irgendwie helfen wollten und dabei unkoordiniert durcheinander rannten. Wer Skipper war, konnte in diesen Fällen gar nicht ausgemacht werden. Diese Boote waren hinterher auch kaum stabil festgemacht, was uns dann veranlasste, die Fenderanzahl auf unserer Backbordseite zu erhöhen. Der Glaube, dass bei festgelegten Heckleinen das Bugstralruder betätigt werden muss, um die Mooringleinen am Bug straffen zu können, scheint sehr verbreitet zu sein. Dabei kann die Pilotleine leichter in den Propeller gelangen als man glaubt, was zum Glück aber niemandem passiert ist. Den Vogel abgeschossen hatte dann ein Crewmitglied von einem Charterboot, indem es seine steuerbordseitige Mooringleine vom Bug abnahm und auf die Mittelklampe legte, um den Abstand zu unserem Boot zu vergrößern. Man braucht wohl nicht zu sagen, dass bei einer Winddrehung sein Schiff erst recht sehr heftig auf das unsrige gedrückt werden würde. Das alles motivierte mich schließlich einen Beitrag darüber zu schreiben, wie mit Mooringleinen in den Mittelmeerhäfen meiner Erfahrung nach am besten angelegt werden kann.

Liegeplatz mit Moorings

Liegeplatz mit Mooringleinen

Das nebenstehende Bild zeigt, wie ein Liegeplatz in vielen Marinas im Mittelmeer prinzipiell ausgerüstet ist. Auf einem Schwimmponton oder einem Kai befindet sich an jedem Liegeplatz ein Versorgungsterminal mit zwei Steckdosen und einem Wasseranschluss. Außerdem gibt es zwei Klampen oder Poller, an denen die Heckleinen des Bootes belegt werden. Von jeder Klampe führt eine meist 10 mm dicke sogenannte Pilotleine ins Wasser. Sie liegt dort auf dem Grund und ist nach 15 oder 20 m an die eigentliche Mooringleine angespleißt, deren Dicke dann meist 30 mm beträgt. Die Pilotleine dient also nur zum Aufnehmen der Mooringleinen. Die Mooringleinen gehen in der Regel von einer sehr starken Kette aus, die zwischen schweren Betonankern im Grund parallel zum Ponton verläuft. Das sind Betonwürfel mit einer Seitenlänge von mehr als 2 Metern.

 

Vorbereitung zum Anlegen

Das Wichtigste vor einem Anlegemanöver ist immer eine Besprechung mit der Crew, in der auch eine genaue Arbeitsteilung festgelegt wird. Wenn der Wind nicht allzu stark bläst, kann ein Anlegemanöver an Moorings sogar von einer kleinen Crew, die nur aus einem Paar besteht problemlos bewältigt werden. Charterboote sind meist mit vielen Leuten unterwegs, die oft gar nicht so erfahren sind oder einfach nur mitreisen. Da ist es dann um so wichtiger, dass nur diejenigen zum "Dienst" eingeteilt werden, die wirklich gebraucht werden und das sind eigentlich nur drei. Alle anderen sollten sich zurückhalten, auch mit Kommentaren. Sie sind dann vielleicht im nächsten Hafen dran. Ein Crewmitglied muss schon ab dem Zeitpunkt der Vorbereitungen zum Anlegen und Festmachen, das sind zwei verschiedene Dinge, den Steuerstand bedienen und darf diesen bis zum Manöverschluck auf keinen Fall verlassen. Zwei weitere Crewmitglieder teilen sich auf, einer übernimmt die Steuerbordseite und der andere die Backbordseite. Hier sind zunächst die Fender auszubringen. Wenn auf dem Boot eine portable Gangway gefahren wird, dann wird auch diese anschließend vorbereitet, eingesteckt und erstmal an ihrem Trapez hochgezogen. Sie kann dann nach dem Anlegen sofort abgelassen und begangen werden.
Kennt man seinen Liegeplatz, dann wird es nun Zeit, über Funk die Marina über das bevorstehende Eintreffen zu informieren und Anlegehilfe durch einen Marinero anzufordern. In Spaniens Häfen ist das der VHF-Kanal 9. Nach dieser Anmeldung begibt sich der Marinero zum benannten Liegeplatz und klariert schon mal die Moorings. Dazu raffelt er die Pilotleinen aus dem Wasser und legt sie in einem kleinen Häufchen auf dem Ponton ab. In der Folge liegen dann die Moorings ausgestreckt und ohne Lose in gerader Linie zwischen Kette und der entsprechenden Klampe oder dem Poller auf dem Ponton
. Der Vorteil davon ist, dass man jetzt nur ein sehr viel kürzeres Stück der Leinen Hand über Hand zum Bug transportieren muss, was die Verschmutzung auf dem Boot reduziert.
Ist der Liegeplatz nicht bekannt, dann sollte man sich ebenfalls über Funk anmelden und fragen, ob überhaupt ein Liegeplatz vorhanden und ob der Willkommenssteg frei ist. Am Willkommenssteg kann längsseits angelegt werden, um in der Rezeption der Marina die erforderlichen Formalitäten zu erledigen. Anschließend bittet man einen Marinero um Hilfe oder schickt ein Crewmitglied zum Liegeplatz. Dieser klariert dann schon mal die Moorings und nimmt bei Ankunft des Bootes die Heckleinen entgegen.

 

Römisch-katholisch anlegen

Dieser Begriff wurde von den Nordeuropäern erfunden, weil es in den meist katholisch geprägten Mittelmeerländern üblich ist, ein Boot mit dem Heck zur Pier festzumachen. Die in der Besprechung zur Vorbereitung getroffene Arbeitsteilung bleibt während des gesamten Anlegevorgangs bestehen. Ein Crewmitglied, meistens der Skipper selbst, steht am Steuerstand und zwei weitere Crewmitglieder, jeweils einer an der Backbordseite und einer an der Steuerbordseite.
Das Boot muss vor der Box mit dem Heck zum Ponton bzw. zur Pier gedreht werden, indem am besten bei Vorwärtsfahrt dynamisch eingedreht und dann sofort abgestoppt wird. Eine Restdrehung kann mit Ruder am Anschlag und Vorwärtsschub zum Weiterdrehen und Rückwärtsschub zum Abstoppen erreicht werden. Die meisten werden hier jedoch das Bugstrahlruder einsetzen. Doch das kann auch mal kaputt sein.

in die Box eingefahren

Jetzt wird rückwärts in die Box eingefahren und ca. 1m vor dem Ponton angehalten. Eine Ruderwirkung wird man hier bei langsamer Fahrt kaum feststellen können, in diesem Fall können Bugstrahl und/oder Heckstrahlruder unterstützend eingesetzt werden. Eine wichtige Aufgabe haben dabei die Backbord- und Steuerbordleute. Sie müssen eine Berührung mit den Nachbarbooten verhindern, indem sie rechtzeitig einen Fender dazwischen halten. Auf keinen Fall darf hier ein Bootshaken benutzt werden und Hände oder Füße zum Abstoßen oder Abstand halten schon mal gar nicht. Dabei könnten schwerste Verletzungen entstehen.
Als nächstes werden die Heckleinen belegt. Sind diese fest, dann wird das Ruder bis zum Anschlag nach luv gedreht und der Vorwärtsgang eingelegt. Schon bei niedriger Propellerdrehzahl richtet sich das Boot jetzt aus. Mit der Drehzahl oder auch der Ruderstellung kann das Boot dann völlig gerade in die Box gestellt werden. Ein Bugstrahlruder braucht man dazu nicht. Ist das erledigt, der Abstand zum Ponton ist immer noch etwa 1 m, übernehmen die Leute an Backbord und Steuerbord mit dem Bootshaken jeweils die Pilotleinen und tragen diese Hand über Hand zum Bug, es ist aufzupassen, dass die Leinen nicht in den laufenden Propeller geraten können. Das wird verhindert, indem der Pilotleinen-Hügel auf dem Ponton sofort nach dem Ergreifen der Pilotleine ins Wasser geschoben wird, wo er innerhalb weniger Sekunden auf den Grund sinkt und dann keine Gefahr mehr besteht. Die Pilotleine wird nun Hand über Hand zum Bug getragen. Unterwegs wird man die Mooring in die Hand bekommen und diese auf der Bugklampe belegen, stramm zwar, aber noch nicht mit Leibeskräften.

Bis hierhin ist es auch kein Problem mit kleiner Mannschaft. Eine Person steht am Steuerstand und die andere kontrolliert die Leeseite zum Nachbarboot. Nach dem Einfahren in die Box lässt man einfach die Gangway herunter, damit jemand auf den Ponton gehen und die Heckleinen auf den Klampen belegen kann. Danach wird das Boot mit geringem Vorwärsschub und bei Seitenwind mit entsprechender Ruderstellung in der Boxmitte stabilisiert. Die zweite Person kann jetzt den Steuerstand sogar verlassen, denn das Boot behält seine Lage. Die Pilotleinen werden jetzt von beiden klariert, d. h., die Losen werden auf dem Ponton zusammengerafft. Danach geht dann der kräftigere von beiden an Bord und übernimmt die Pilotleinen eine nach der anderen mit dem Bootshaken, um sie nach vorn zu tragen. Die Person an Land schubst den zusammengerafften Leinenberg sofort nach Übernahme ins Wasser. Ist das erledigt, kommt sie über die Gangway zurück an Bord und zieht die Gangway noch einmal hoch.

 

Festmachen

Festmachen
Festgemacht

Das ist jetzt die abschließende Aufgabe, denn das Boot wird mit den bisherigen Arbeiten nicht sicher liegen. Wenn der Wind auffrischt und von vorn kommt, wird es mit dem Heck an Pier oder Ponton gedrückt werden, was dann hässlichste Spuren hinterlässt. Wer keine Gangway hat, der sollte nicht ersatzweise die Badeplattforn benutzen. Im Mittelmeergebiet muss gerade im Sommer mit heftigen Seewinden gerechnet werden. Vormittags bis 10:00 Uhr herrscht beinahe Windstille und am frühen Nachmittag bläst es mit 18 Knoten von See her. Also Badeplattform immer hoch, erst recht, wenn der Bug in Richtung See zeigt und das Boot am besten gleich nach dem Anlegen auch Festmachen.
Das Festmachen geht ganz einfach. Wenn es ein Dauerliegeplatz ist, dann muss die Heckleine lang genug sein. Sie besitzt am Ende eine Palstek-Öse und weiter vorn einen Kabelbinder als Markierung für die Anlegelänge. Wer als Gast kommt, um nach wenigen Tagen wieder weiterzureisen, der sollte eine lange Heckleine auf Slip legen. Nach dem Einfahren in die Box sollte ein Abstand von 1 m zum Ponton hergestellt werden.

Nachdem die Bugklampen mit den Moorings belegt sind, wir die Maschine gestoppt, indem der Gashebel ganz langsam, nicht ruckartig, zurückgenommen wird. Danach werden die Heckleinen gelöst und mit der Palstek-Öse über die Klampe gelegt. Das Boot wird nun von den Moorings nach vorn gezogen. Auch das kann mit Maschinenhilfe und Ruderwirkung unterstützt werden, wenn der Wind das Boot zur Seite drücken sollte. Die Entfernung zwischen Heck und Ponton sollte jetzt etwa 4 m bis 5 m betragen. In diesem Zustand werden nun die Moorings mit voller Körperkraft hochgezogen und auf den Bugklampen belegt.
Anschließend mit der Maschine rückwärts gehen, bis die Gangway etwas mehr als ausreichend weit auf den Ponton reicht und die Heckleinen straff auf den Heckklampen belegen. Dann wieder ganz langsam die Drehzahl der Maschine zurücknehmen und den Motor ausschalten. Jetzt ist Zeit für den Manöverschluck, denn das Boot liegt erstmal sicher festgemacht auf seinem Liegeplatz.

 

Außerdem

Nachdem das Boot festgemacht ist, können noch weitere unterstützende Maßnahmen sinnvoll werden. So bringen kreuzweise am Heck verspannte Leinen eine zusätzliche Sicherheit. Diese Leinen laufen von der Backbordklampe am Boot zur Steuerbordklampe an Land und von der Steuerbordklampe am Boot zur Backbordklampe an Land. Diese Leinen sollten nicht gespannt sein.
Wenn ein Eigner sein Boot über den Winter in einer Mittelmeer-Marina lassen will, dann sollte er auf jeden Fall Ruckdämpfer-Federn in die Heckleinen einbauen. Die Drahtstärke der Federn sollte bei einem 18 m Boot mindestens 10 mm betragen. Wie diese Federn eingebaut werden, kann man sich an den anderen Booten anschauen. Eine gut 1 m lange 10 mm Kette wird doppelt gelegt und in das eine Ende des Ruckdämpfers eingeschäkelt. In das andere Ende der Ruckdämpfers kommt ebenfalls ein Schäkel und das Ende des Festmachers von wenigstens 20 mm Dicke mit einer eingespleißten Edelstahlkausche.  Diese Spleissarbeit kann man auch selbst durchführen, was sogar Spass macht. Eine zusätzliche Sicherung bringt eine Kette von etwas mehr als doppelter Federlänge, die zusätzlich in den Schäkeln aufgenommen wird. Diese Kette verhindert ein Abtreiben des Bootes, sollte die Feder zerbrechen. Es ist zwar kaum zu glauben, aber das Material der Feder kann brüchig werden. Ich selbst habe das gehabt. Als ich im Frühjahr angereist kam war die Feder zersplittert, als ob sie aus Glas gemacht wäre. Sie bestand nur noch aus einzelnen aufeinanderliegenden Ringen und hatte keinerlei Federwirkung mehr.
Bei längeren Liegezeiten, wenn der Eigner z. B. für eine gewisse Zeit nach Hause reist, sollte auch daran gedacht werden, die Gangway zu sichern. Diese wird bei Abwesenheit immer etwas hochgezogen. In dieser Lage kann sie von einer Windböe erfasst werden und überschlagen, was dann einige Schäden verursacht. Das betrifft ganz besonders leichte Carbon-Modelle. Eine Leine von der Unterkante des Heckspiegels ans Ende des Laufbrettes kann das verhindern.
Was jeder Mittelmeersegler schon einmal erlebt hat, ist der braune Regen, der meist im Frühjahr und Herbst auftritt. Manchmal ist die Luft tagelang mit Staub aus der Sahara angefüllt, was trotz guten Wetters an einer stark verminderten Fernsicht auffällt. Sollte es jetzt regnen, dann ist das, was herunterkommt, brauner Schlamm. Wer sein Boot im Winter zurück lässt, der muss im Frühjahr zuerst diesen ganzen braunen lehmfarbigen Dreck entfernen. Der braune Regen dringt aber auch unter alle Bedientaster aus Gummi. So geben die Bedienelemente am Autopiloten oder einige Taster auf dem Kartenplotter im darauffolgenden Jahr oft keinen Mucks mehr von sich. Es ist daher dringend angeraten, Bedientische, Winschen und Instrumente mit Abdeckungen zu versehen.