Frankreichs Küste

Calais

In Calais wurde an einer Mooringtonne im Vorhafen festgemacht. So kann man selbst bestimmen wann es weitergeht und muss nicht auf Hochwasser warten bis sich die Schleusentore zur dahinterliegenden Marina wieder öffnen. Frankreich empfing uns mit strahlend blauem Himmel, doch die Müdigkeit aufgrund der vorhergehenden Nacht war groß und alle wollten schlafen.
Am nächsten Morgen war die Pracht schon wieder vorbei. Dunkle Wolken wohin man sah und der Wind heulte in den Wanten. Die Flut war bereits weit abgelaufen und der Ebbstrom in Richtung Süden hatte fast sein Maximum erreicht. Etwas davon wollten wir noch nutzen können. Also ein schnelles Frühstück und dann Leine los, auf nach Cherbourg zur geplanten nächsten Station.

Calais Flut
Calai Vorhafen bei Flut
Calais Vorhafen bei Ebbe
Calais Vorhafen bei Ebbe
Fähtre vor Calais
In Calais einlaufende Englandfähre

Die Ausfahrt aus dem Hafen war ein wenig aufregend aufgrund des regen Fährverkehrs zwischen Calais und Dover. Der Wind wehte mit 20 Knoten aus Südwest, genau aus der Richtung in die wir wollten. Einzelne Böen kamen sogar an 30 Knoten heran. Das Großsegel wurde gerefft. Der starke Gegenwind und der Umstand, dass die Strömung bald kippen und gegen uns sein wird führte zur Entscheidung den 20 sm südlich liegenden Hafen von Boulogne-sur-Mer anzulaufen.
Die Marina von Boulogne-sur-Mer war brechend voll und es war ein wenig abenteuerlich ohne Bugstrahlruder zu manövrieren. Wir legten schließlich an einem Engländer an. Doch etwas später bekam dieser Angst um sein kleineres (50 Fuß) Boot, weil für die Nacht stärkerer Wind vorhergesagt wurde. Wir nahmen ihm die Angst, legten ab und okupierten einen Liegeplatz gegenüber an einem kommunalen Schwimmsteg, wo ein Schild das Anlegen für Yachten untersagte. Der stärkere Wind in der Nacht blieb aus. Morgens um 7 Uhr hieß es wieder Leinen los. Der Wind blies genau aus Westen. Laut Wetterbericht sollte er später auf Nord drehen. Zunächst ging es in Richtung Süden. Doch um Cherbourg zu erreichen müssten wir nach Nordwest und die Winddrehung ließ auf sich warten. Es ging also wieder auf die Kreuz. Schräglage bei zunächst Vollzeug und ein Seegang von 2 bis 3 m forderten dann bei einigen Mitseglern ihren Tribut. Die These, dass Kleinkinder bis zu zwei Jahren nicht Seekrank werden können wurde auf diesem Abschnitt der Reise wiederlegt, unser kleiner Carl mit 16 Monaten wurde Seekrank und hat sich übergeben müssen. Im Vergleich zur Nordsee war das durchfahrene Seegebiet fast als einsam zu bezeichnen. Außer einigen Segelbooten, ein paar Fischern und Fähren gab es kaum Begegnungen. In der Nacht war das Radargerät das wichtigste Navigationsmittel.

Cherbourg

Nach langen Kreuzschlägen um 2 Uhr in der Nacht drehte der Wind dann auf Nord und der Kurs auf Cherbourg konnte direkt angelegt werden. Nach weiteren 8 Stunden war es dann soweit. Am Eingang zur Marina wurden wir von einem Schlauchboot mit zwei netten jungen Männern mit einem Empfangspackage in einer Tüte begrüßt und zu einem Empfangsponton geleitet. Nach einigen Minuten kamen sie mit einen geeigneten Liegeplatz zurück, der unser Problem mit den defekten Querstrahlrudern berücksichtigt, denn das Heckstrahlruder sagte inzwischen auch keinen Mux mehr.

Zephir in Cherbourg
Zephir festgemacht in Cherbourg
Marina Cherbourg
Marina in Cherbourg

Das klärte sich teilweise am nächsten Tag. Durch das teilweise heftige Einsetzen des Schiffs beim Gegenanfahren im stukigen Kanal müssen Teile des gebrochenen Bugstrahlruders in den Öffnungsmechanismus der Bugklappe geraten sein wurde spekuliert (was wirklich war, klärte sich später). Weil diese sich nun nicht mehr ordnungsgemäß öffnen konnte, war auch das Heckstrahlruder funktionslos geworden, denn beide Querruder werden werden mit demselben Schalter gleichzeitig angesprochen. Nach Entfernen der separaten Steuersicherung des Bugstrahlruders funktionierte dann auch das Heckstrahlruder wieder. Ein kleiner Lichtblick nach den letzten Pannen.
Man sollte sich besser ein zwei Jahre altes Schiff und kein Neues kaufen. Dann ist nicht mehr mit so vielen Ausfällen zu rechnen. Das dürfte der Erstbesitzer inzwischen erledigt haben. Das bestätigen mir viele Eigner und zwar unabhängig vom Schiffstyp.

12.8.2016
Die Teile aus Italien kamen an. Wir machten das Dinghi klar, um den größeren Portalkran der Firma PNA (PORTS OF NORMANDY AUTHORITY) zu finden. Der Marina-Portalkran war für die Breite unseres Schiffes zu klein. Wir fanden den PNA-Kran im östlichen Hafengebiet. Ein Polizeiboot hielt auf uns zu und stoppte uns. Wir waren in ein Sperrgebiet hineingefahren, was verboten ist. Die Beamten wollten Papiere sehen und weil wir diese nicht dabei hatten folgten sie uns bis zur Yacht. Dort angekommen sahen sie unsere Yacht mit der deutschen Flagge, schenkten uns Glauben und wünschten uns weiterhin gute Fahrt ohne noch Papiere sehen zu wollen.
Telefonisch bekamen wir einen Krantermin für Dienstag Abend, den 16. August in Roscoff. Wir beschlossen den Hafen am kommenden Tag zu verlassen, nachdem wir nochmals Einkaufen waren. Das nächste Ziel sollte die Kanalinsel Alderney sein.

Alderney

13.8.2016
Diese Kanalinsel gehört zwar nicht zu Frankreich liegt aber so dicht an dessen Küste, dass man sie fast zwangsweise anlaufen muss.

Morgens um viertel vor 5 hieß es aufstehen, anziehen und Dinghi holen. Dieses wurde am Vortag benutzt, um sich im ziemlich entfernten, aber auf dem Wasserweg gut erreichbaren Supermarkt zu verproviantieren. Leider dauerte der Einkauf etwas zu lang und die Rückfahrt durch das Schleusentor war dadurch versperrt. Wir mussten auf die nächste Flut warten, dumm gelaufen. Nach dem Frühstück ging es mit der nach West einsetzenden Strömung los. Die Kanalinsel war nur ein 30 sm entferntes Zwischenziel, das in etwa vier Stunden erreicht wurde.
Wir nahmen eine Mooringtonne und machten gleich das Dinghi klar. Dann kam schon das Hafenmeisterboot zum Kassieren. Ankern kostet pro Nacht 10 Euro und Tonne 20 Euro. Das Einklarieren ist mit dem Ausfüllen eines Zollformulars erledigt. Dieses muss man anschließend in einen gelben Briefkasten am Aufgang vom Dinghisteg einwerfen.

Alderney Dinghisteg
Dinghisteg am Hafen
Alderney Hafen
Der Hafen von Alderney am Abend

Am ersten Tag ging es gleich in die zentral gelegene Ortschaft St. Anne. Irgendwie schien hier die Zeit stehengeblieben zu sein. Zum Dinner wählten wir ein Thailändisches Restaurant. Das Essen schmeckte ausgezeichnet und der Service war vom Besten. Es war spät, als wir endlich zurück auf der Yacht waren.
Nach kaum einer Stunde Schlaf gab es plötzlich einen Rums, gefolgt von lautem Getrampel auf dem Deck gemischt mit hektischen Diskussionen, Gepolter und Geschimpfe. Alle waren sofort wach. Ein Franzose mit einer reichlich unerfahrenen aber zahlenmäßig großen Crew war längsseits gegangen und hatte Schwierigkeiten mit dem Festmachen. Das gehört zum Segeln entschuldigte er sich. In Dänemark sind wir einmal morgens aufgewacht und hatten überhaupt nicht bemerkt, dass über Nacht ein Schwede ins Päckchen mit uns gegangen war. So geht das nämlich auch.

Alderney Strand
Sandstrand bei Ebbe

Der folgende Tag war Wandertag und führte in die nähere Umgebung in einige schöne Buchten mit Sandstrand, die sich sehr gut zum Baden eignen. Leider war es recht windig und das Wasser hatte auch nur 21° C.
Eigentlich wollten wir erst am Montag Abend auslaufen, doch die Nacht auf Montag war sehr schaukelig. Der Wind hatte auf Westen gedreht und viele verließen den plötzlich sehr unfreundlich gewordenen Ankerplatz. Das Dinghi musste in die Heckgarage, was sich als recht abenteuerlich und nass gestaltete. Die Fahrt startete dann sehr rasant unter Ausnutzung der Stömung in „The Swinge“, die bis zu 4,5 Knoten betrug. Da es bereits Mittag war, würde die 185 sm entfernte Marina Roscoff erst in der Nacht erreicht werden können.

Trimaranfähre überholt
Wir werden von 38 Knoten Fähre überholt

Wegen der Unsicherheit über die anzutreffenden Strömungsverhältnisse in der Marina und die Behinderung durch das defekte Bugstrahlruder führte zur Entscheidung einen Ankerplatz vor Trebeurden anzulaufen.

Morgens am Ankerplatz
Morgens am Ankerplatz Trebeurden

Von dort bis Roscoff waren es nur noch 15 sm. Der Ankerplatz wurde nach 12 Stunden und 30 Minuten Fahrt nachts um 1 Uhr erreicht. Geankert wurde auf 7 m Tiefe bei Ebbe auf reinem Sand mit genügend Kette.

Auf den Hartstand

16.8.2016
Die Marina Roscoff wurde am frühen Nachmittag erreicht und begrüßte uns mit einer starken Strömung. Glücklicherweise war ein Platz am Kopf eines Stegs frei, so dass wir sofort anlegen konnten. Nach Erledigung der Formalitäten warteten wir auf das Hochwasser, das zum Kranen notwendig war. Es ging rückwärts in die Portalkrananlage. Ein Seitenwind von 15 Knoten bei fehlendem Bugstrahlruder und eine Kranbreite von 6 m bei einer Bootsbreite von 5,2 m machte die Sache kitzelig. Wir bekamen  gute Unterstützung durch ein Marina-Dinghi, das mit seinem 30 Ps Außenborder mit Vollgas den Bug nach Luv zog. Alles ging gut und das Schiff kam ohne Schramme aus dem Wasser.

Hartstand
Auf dem Hartstand

Doch was war das? Die Klappe für das Bugstrahlruder war völlig demoliert und nach innen gedrückt. Ein Stück Laminat war abgerissen, das den hinteren Anschlag der Klappe bildete. Dadurch hat die See die Klappe einseitig nach innen drücken können und den Mechanismus verbogen. Doch mehr als 2 m bis 3 m Wellen und Windstärke 6 haben nicht geherrscht. Was soll erst bei Sturmstärke passieren?

Klappe 0
Von der See demolierte Bugklappe

Kreuz 0Kreuz 2

Nur mit Gewalt war die Klappe überhaupt zu öffnen. Wie erwartet war das Kreuzgelenk gebrochen. Die herbeigerufenen Mechaniker wechselten es aus. Das Problem mit der Klappe war damit aber nicht gelöst. Ein Schiffbauer aus der Nähe richtete zunächst den verbogenen Mechanismus. Er machte die zu kleinen 6 mm Befestigungsschrauben dafür verantwortlich. Sie waren sämtlich völlig lose.

Leider konnte HanseYachts keine neue Klappe liefern. So blieb nur, die zerflederte Klappe notdürftig reparieren zu lassen. Das Schiff muss dann später nochmal aus dem Wasser, was südlich des 50. Breitengrades immer kostspieliger wird. Sehr ärgerlich war der dadurch entstandene Zeitverlust insbesondere für die Mitsegler, die sich ja nicht im Ruhestand befanden und mit ihrem Urlaub haushalten mussten. Durch den abgerissenen Selbstwendeschlitten und das defekte Bugstrahlruder waren jetzt schon mehr als zwei Wochen verloren gegangen. Außerdem macht es überhaupt keinen Spass, wenn an einem neuen Schiff alle paar hundert Meilen irgendwas kaputtgeht und das immer nur wegen loser Schrauben. Was passiert als nächstes?

Roscoff

Roscoff hat etwa 4000 Einwohner und beherbergt darüber hinaus zahlreiche Touristen. Ein Fähranleger für Englandfähren sorgt für Nachschub und zahlreiche Hotels für die Unterbringung. Die Innenstadt ist sehr quirlig. In zahlreichen Restaurants wird das Hauptnahrungsmittel Muscheln angeboten. An vielen Ecken hört man aber auch deutsche Gesprächsfetzen. Sehr beliebt ist ein Ausflug mit einer kleinen Personenfähre zur nahegelegenen Insel Ile De Batz.

Roscoff Ebbe
Stadthafen Roscoff bei Ebbe
Kirche Roscoff
Kirche von Roscoff

Wir sitzen fest

20.8.2016
Am Mittwoch wurde das Kreuzgelenk gewechselt, die Bugklappe gerichtet und abgebaut. Der Inhaber einer gegenüberliegenden Firma hatte sie mitgenommen und versprochen, diese nach ihrer Reparatur am Freitag wieder anzubauen. Der Krantermin wurde auf Freitag verschoben und wir zogen ins Hotel um. Am Freitag sagt uns der Franzose, der die Klappe mitgenommen hatte, dass er diese erst am Samstag um 17:00 Uhr anbauen kann. Der Krantermin wurde abermals verschoben.

Dann wurde es Samstag, die Werkstatt gegenüber ruhte in Frieden, kein Mensch war dort zu sehen und ein Sturm heulte. Wir hatten kein Hotel mehr und waren schon aufs Schiff umgezogen, an dem eine lange Leiter festgebunden war. Sturm, Schauer und die Ungewissheit über den Fortgang zehrten an den Nerven. Die verfügbare Zeit der Mitsegler geht zu Ende, ohne dem Ziel merklich nahe gekommen zu sein. Von bislang vier Wochen Reisezeit mussten beinahe drei Wochen für Reparaturen am Schiff aufgewendet werden, wobei alles nur vertane Wartezeit war. Wohlgemerkt, es ist ein neues Schiff. Auf etwas mehr als ein Knoten war die Durchschnittsgeschwindigkeit seit der Abfahrt in Kröslin inzwischen gefallen. Frust kam auf. Inzwischen ging das bereits ausgetauschte Radio schon wieder kaputt und die elektrische Toilette machte schon seit Tagen verdächtige Geräusche. O. k. vorerst steht sie unbenutzbar auf dem Trockenen.

Befreiung

Es ist 5 Minuten vor 17:00 Uhr. Ein Auto kommt aufs Gelände gefahren und heraus steigt unser wackerer Franzose mit der Bugklappe. Er hatte in einer anderen Werkstatt stundenlang daran gearbeitet. „This flap is bullshit, a very poor quality“ sein Kommentar. Schnell war sie angepasst und mit Antifouling behandelt.

reparierte Bugklappe
Die reparierte Klappe ist angepasstr

Dann wurde es hektisch. Der Kranfahrer erschien und schon hing unser Boot in den Schlaufen. Das Marina-Dinghi kam zum Bugsieren, denn der Wind heulte immer noch mit 20 bis 30 Knoten. Die Schlaufen senkten sich ab und der Wind trieb das Boot aus dem Portalkran heraus. Mit ablandigem Wind legten wir an einem anderen 16 m Boot an. Das Anlegemanöver war aufregend, weil das Dinghi trotz seiner diesmal 60 Ps Maschine es kaum schaffte, uns ins Päckchen zu drücken. Doch alles ging gut. Endlich war die Freiheit wiedergewonnen.

Camaret

22.8.2016
Wir erreichten die Marina am Nachmittag gegen 16 Uhr und legten am Außenponton an. Dieser Ort sollte unser Absprung über die Biskaya sein. Wir mussten uns noch verproviantieren. Insbesondere waren Obst und Getränke zu bunkern. Dazu wurde die Faltkarre aus der Segellast geholt. Zum Supermarkt musste man fast die gesamte Promenade entlang laufen, was mit unserem Carl auf der Karre zum Gaudi für die Passanten wurde.

Carl einkaufen
Nach dem Einkauf

Camaret ist ein sehr schöner Ort. Gern wären wir noch einen Tag länger dort geblieben, doch wir hatten schon zu viel Zeit verloren und das Wetterfenster für die Biskaya war gerade günstig, kein Starkwind. Also nur eine Übernachtung und dann nach einem ausgedehnten Frühstück Leinen Los und Kurs auf La Coruna in Spanien.

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